Welche Objektive brauche ich wirklich?

Gute Objektive sind teuer und schwer, oder ganz leicht und wirklich erschwinglich. Alles was dazwischen liegt ist Schrott.

Ich liebe Zoomobjektive. Sie sind total praktisch. Ich habe mit drei Gummilinsen-Klunkern alles dabei, was mein Fotografenherz begehrt. Von 16mm bis 200mm. Mir langt das. Dabei benutze ich das 16-35er am meisten. Oft sind die Räume eng, und dann ist man mit 16mm sehr gut dabei. Allerdings verzerrt da auch ein L-Objektiv tüchtig. DPP, der Canon RAW-Converter, hat aber eine sehr schöne Funktion, mit der man die Bildfehler einiger L-Objektive rausrechnen lassen kann. Das Bild wird etwas beschnitten, aber es sieht dann wirklich gut aus. Vignettierung weg, Wölbung weg, Farbsäume weg, drei Klicks. Super! Die Bildqualität ist aber auch bei diesen teuren L-Zoom-Objektiven beschränkt, besonders bei offener Blende. Aber ich will mich nicht beschweren, sie sind sehr praktisch.

Zur Lichtstärke: Ich weiss, ein 2,8er kostet mindestens das Doppelte von einem 1:4-Objektiv, aber wenn’s um die Wurst geht – und das geht es oft – kommt es eben darauf an, dass unter den bescheidenen Bedingungen noch ein brauchbares Bild entsteht. Und da ist jedes Quäntchen Licht, das den Chip erreicht, ein Segen. Der Sucher ist auch heller, und der Autofokus arbeitet ebenfalls besser. Na ja, der Autofokus arbeitet eigentlich immer bescheiden. Die alte Canon-Krankheit. Chronisch. Schlechtes Thema.

Also, wenn du es irgendwie finanzieren kannst, kaufe Dir ein lichtstarkes Objektiv. Und wenn Du es nicht finanzieren kannst, dann kaufe Dir ein noch Lichtstärkeres! Festbrennweiten sind preiswert. Ein 1:2,8 28er kostet bei Ebay 130 Euro, ein 1:1,8 50er neu 100 Euro (!). Und das Objektiv, mit dem ich 70% meiner Aufnahmen mache, das 1:1,8 85er, kostet gebraucht ab 300 Euro. Das sind zwar keine L-Objektive, aber die Qualität ist gut und kann durchaus mit einem L-Zoom mithalten. L-Festbrennweiten sind mir für das Plus an Leistung zu teuer und zu schwer. Das Gewicht spielt keine unerhebliche Rolle beim Fotografieren. Nach einem ganzen Tag Reportage tut einem wirklich alles weh, da ist jedes Gramm weniger ein Segen.

Exkurs: Die Ausrüstung kann für so eine Reportage folgendermaßen aussehen: 5D MK II mit Handgriff, 16-35er, Systemblitz 550 EZ oder 580 EZ mit CP-E4 Kompromiss-Batteriepack und Eneloop-Akkus drin, Bauchtasche mit Ersatzakkus für Kamera und Blitz, viele Speicherkarten, das 50er Makro und das 85er – das wars. Cartier-Bresson hat gesagt, wenn das Bild nicht gut ist, warst Du nicht nahe genug dran. Oder war das Cappa? Egal, es stimmt. Entweder emotional nicht nahe genug dran, oder physisch. Emotional, da kann ich Dir nicht helfen, aber physisch: Lass das 200er zuhause. Apropos Speicherkarten, meine haben maximal 8GB. Damit fotografiere ich ca. 270 RAWs, das ist mehr als genug. Wenn ich mir vorstelle, auf einer 128 GB Karte, die lächerliche 1000 Euro kostet, über 4000 Fotos zu schiessen (was vorkommen kann), und die geht dann abends kaputt, was mir schon mehrfach vorgekommen ist. Die Daten ließen sich manchmal retten, zweimal aber auch nicht. Dann beiß‘ ich mir in den Hintern.

Zurück zum Thema. Also, ich appelliere: Bitte Festbrennweiten kaufen. Sie sind leicht, hochwertig und preiswert, und sie schulen das Sehen. Du musst Dir dann vorher überlegen was Du draufschraubst, und das macht Dich nach einiger Zeit zu einem Fotografen mit einem besseren Auge fürs Motiv. Versprochen.

So, auf die eierlegenden Wollmilchsäue, 28-300irgendwas Millimeter, gehe ich nicht weiter ein. Das taugt vielleicht für den Urlaub, weil man alles dabei hat. Aber bei Lichtstärke 6,3 oder so ist es bei mir nur noch dunkel im Sucher. Bitte auf Ebay verkaufen.

Zusammengefasst: Ich habe ein 16-35er, ein 24-70er und ein 70-200er IS, alles 2,8. Das Zonk-24-105er 1:4 verdient den roten Ring nicht und hat höchstens Blende 4,5. Mit Rückenwind. Dann ein 28er 1,8, ein 50er 1,4, und das 85er 1,8. Mit diesen Drei würde ich auch auf eine einsame Insel gehen. Und dann noch ein 50er Makro plus Zwischenring. Alles andere (Tilt-Shift, Fisheye, Supertele) leihe ich mir bei Bedarf im Rent aus. Das kostet ca. 20 Euro/Tag. Da lohnt eine Anschaffung nicht, wenn man es nicht oft braucht.

Für Nutzer anderer Systeme gilt das gleiche. Auch Fremdobjektive finde ich ok. Ich kenne Fotografen, die Sigma, Tamron, Tokina und Co benutzen und viel Geld sparen. Bitte probier so ein Objektiv aber vorher aus. Wenn es Lichtstärke 1:4,5-5,6, ein Plastikbajonett  und einen Autofokus hat, der sich im Schneckentempo dreht, wirst Du keine Freude haben.

Eins hab‘ ich noch. Hallo Canon: Bitte baut mir mein Lieblingsobjektiv, ein EF 24/50/85mm, f1:2, IS L. Vielleicht aus Carbon, damit es nicht so schwer wird. Wenn’s geht keinen Zoom, sondern nur die drei Brennweiten zum Umschalten. Danke schon mal im Voraus.