Photoshop – wieviel Retusche ist erlaubt?

Seit ungefähr 15 Jahren ist die Bildbearbeitungssoftware Photoshop jedem ein Begriff. Und seit dem ist ja auch jedem total klar wie einfach das geht Fotos zu manipulieren und dass heute ja quasi alle Bilder gefaket sind. Stimmt genau.
Und dass früher alles besser war und authentischer und ungefälschter und schöner sowieso. Und überhaupt ist der Fotografie ja mittlerweile jegliche Objektivität abhanden gekommen. Stöhn!

Hier kommt was ich darüber denke: Fotografie hat mit Objektivität nichts zu tun. Auch wenn das Ding da vorne an der Kamera dran so ähnlich heißt. In dem Moment, wo ich einen Ausschnitt aus dem realen Geschehen wähle, (und das tue ich zwangsläufig bei jeder Aufnahme) wende ich mich – ganz subjektiv – dem zu was ich für wichtig erachte. Es ist also immer eine sehr persönliche Sicht der Dinge, so ein Foto. Mir stehen als Fotograf viele Parameter offen das Bild so zu verändern, dass es den mir wichtigen Inhalt dem Betrachter möglichst nahe bringt. Eines der Wichtigsten: Reduktion. Ich schneide ab, lasse in Licht oder Dunkelheit verschwinden, blende durch Unschärfe aus. Halte an! Da bleibt nicht mehr viel vom eigentlichen Geschehen übrig, das sich zum Zeitpunkt der Aufnahme vor mir abgespielt hat. Und genau das macht die Fotografie aus. Konzentration auf einen Punkt. Fokussierung. Einen Aspekt herausgreifen und so schick aufbereiten, dass es Spaß macht, sich damit zu beschäftigen. Wieso sollte ich mir dann Gedanken darüber machen, ob eine Photoshop-Retusche legitim ist, oder nicht?

Wenn ich die Geschichte bemühe, dann ist Retusche keine Erfindung des Computerzeitalters: Lenin (der, der die Sowjetunion erfunden hat) hatte einen Kollegen: Trotzki. Der fiel etwas später bei Stalin in Ungnade und wurde – wie man heute so schön sagt – von dem „gedisst“. Stalin ließ Trotzki unter anderem aus allen Fotografien herausretuschieren. So perfekt, das hätte man mit Photoshop CS5 auch nicht besser hingekriegt. Das war 1925. Insofern ist Retusche nichts wirklich neues in unserer Branche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man beachte die Herren auf der Treppe.

Ich finde natürlich auch, dass es moralische Grenzen gibt.  Fotos zu solchen zwecken zu retuschieren ist absolut inakzeptabel. Aber wenn es niemandem weh tut, so what? Also – hier kommt mein Outing, für alle die es noch nicht wussten: Meine Fotos sind alle retuschiert. Ich entferne Pickel, Rasurverletzungen, Augenringe und auch mal einen schiefen Zahn. Aber alles in allem versuche ich nur, das Bild dem Eindruck näher zu bringen, den ich von der Person vor meiner Kamera hatte. Da fällt einem im Gespräch und in der Bewegung vieles nicht auf, was man in einer 21-Megapixel-Datei kaum übersehen kann. Und dann wird es eben auf das Level gebracht, dass ich gesehen habe…

Was sich allerdings die Leute von TV-Spielfilm und Co. bei der Retusche ihrer Titelseiten denken, bleibt meinem Verständnis völlig verborgen. „Hey, das sieht total tot aus! Merkt Ihr das nicht?“

Ach ja, eins noch: Auch eine gut gemeinte Retusche kann mächtig in die Hose gehen:

 

 

 

 

 

 

Dieser nette Herr heisst Klaus Kleinfeld und war mal der Vorstandsvorsitzende von Siemens. Wahrscheinlich dachte einer seiner Leute, dass es nicht gut aussieht, so eine schon etwas protzige Rolex am Arm zu tragen. Finde ich auch. Und schwupp war sie weg.  Leider kamen beiden Fotos in Umlauf. Und das war natürlich ein gefundenes Fressen für die Presse…

Also immer schön aufpassen beim retuschieren. Oder gleich mutig sein und Herrn Kleinfeld beim Shooting sagen, dass das nicht so toll aussieht. 🙂

 

Zitat des Tages

„A great photograph is one that fully expresses what one feels, in the deepest sense, about what is being photographed.“ (Ansel Adams)

Da fragt mich ja gleich jemand: „Wer issen des, Ansel Adams?“ Liebe Freunde, ich würde mal sagen Ansel Adams war in den Zeiten der analogen Fotogarfie DER Meister im klassische Sinn. So perfekt wie er hat sonst keiner die Technik beherrscht. Abgesehen von wunderbaren Fotos, die auch heute noch Ihresgleichen suchen hat er drei Bücher geschrieben, die die Technik der analogen SW-Fotografie wirklich umfassend behandelten. „Die Kamera“, „Das Negativ“ und „Das Positiv“. Ich sag mal, so vor zwanzig Jahren war das meine Bibel.

Tiefe Verneigung.

 

 

Erfahrungen sammeln

Heute möchte ich Euch mal Mut machen! Fotografieren macht Spaß, man lernt viele Leute kennen und macht Erfahrungen, die man sich nicht hätte träumen lassen. So gehts mir auch. Und letztens war so ein Tag mit diesen Erfahrungen. Na ja, ich hätte zwischendurch lieber darauf verzichtet:

Ich hatte den Auftrag für eine – nennen wir sie mal „Bürogemeinschaft“ – ein Image-Foto für deren Eigenwerbung zu erstellen. Die Grafikerin hatte die Idee, die komplette Mannschaft einen Gang entlang gehen zu lassen, durch den Nebel ins Gegenlicht, ein wenig wie TopGun aus der Halle raus: Lieber Kunde, wo steht das Klavier – wir kommen! So weit die Idee – so gut.

Wir hatten schnell eine Location gefunden. Eine schon angemietete Büroetage die aber noch renoviert werden musste und daher komplett leer stand. Also gings zum Shooting. Requisiten: Viel Licht und Nebel. Wir probten es einige male mit Statisten. Die Menge des Nebels war entscheidend: Das Licht sollte strahlenförmig um die Personen scheinen, zu wenig – keine Strahlen. Zu viel – gar nichts mehr zu sehen.

Dann hatten wir die richtige Menge gefunden. Also: Die Damen und Herren vom Schreibtisch geholt, Kleider gerichtet, Aktentaschen unter den Arm geklemmt und los. So ca. 5 Minuten ging alles glatt. Dann ging der Alarm los. Genau, der Feueralarm. Und wie das in modernen Bürogebäuden so ist, lässt sich der nur von der Feuerwehr persönlich wieder ausschalten. Was dann auch genau so passierte. Die Herren waren nicht begeistert. Sie kamen zu zehnt, sahen sich um und schalteten den Alarm aus. Wir sprachen nicht viel miteinander und dann gingen sie wieder. Nein, sie fuhren wieder. Mit ihrem Löschzug.

Der Kunde die Grafikerin und ich waren auch eher stumm. Es hatte einfach keiner daran gedacht. Tja, Pech gehabt dachten wir alle. Wer war schuld? Ich, die, alle? Es war egal. Shit happens. Wir legten den Vorfall sozusagen zu den Akten. Die Rechnung der Feuerwehr habe ich nie gesehen. Dafür habe ich meine Postproduktion natürlich nicht berechnet, denn wir wollten das Bild ja trotzdem bekommen. Ich habe die Probeaufnahmen mit dem guten Nebel mit den Protagonisten im Photoshop montiert und noch ein paar Extrastahlen eingebaut. Es sah gut aus. Wie TopGun.

Lieber Kunde, danke für diesen Job! Und dass Du so souverän reagiert hast.

Was bleibt ist eine Erfahrung. Und lustig ist es auch!

Mein liebstes Werkzeug

Klar, habe ich in meiner Fototasche ein Multitool. Das ist wirklich nützlich, aber was ich viel öfter brauche um Schwieriges möglich zu machen, ist schwarzes Gaffer-Tape. Das ist ein sehr stark klebendes Gewebe-Klebeband. Damit kann man prima Stolperkabel entschärfen, Vorhänge aufhängen, Gegenlichtblenden und Neger bauen (Was wiederum nichts Schlimmes ist, nur was zum Licht abhalten oder auch „abnegern“. Licht, dass nicht auf das Motiv oder in’s Objektiv der Kamera fallen soll.), schlecht sitzende Anzüge hinten raffen, Sträucher aus dem Bild binden, unerwünschte Einblicke in Blusen verhindern, abgebrochene Plastikteile fast perfekt in Stand setzen, Staub und Fusseln von Kleidung abnehmen, oder oder oder.

So eine Rolle kostet um die 16 Euro. Das ist unglaublich teuer, aber dafür auch 100x brauchbarer als ein billiges Tape aus dem Baumarkt.

 

Welche Objektive brauche ich wirklich?

Gute Objektive sind teuer und schwer, oder ganz leicht und wirklich erschwinglich. Alles was dazwischen liegt ist Schrott.

Ich liebe Zoomobjektive. Sie sind total praktisch. Ich habe mit drei Gummilinsen-Klunkern alles dabei, was mein Fotografenherz begehrt. Von 16mm bis 200mm. Mir langt das. Dabei benutze ich das 16-35er am meisten. Oft sind die Räume eng, und dann ist man mit 16mm sehr gut dabei. Allerdings verzerrt da auch ein L-Objektiv tüchtig. DPP, der Canon RAW-Converter, hat aber eine sehr schöne Funktion, mit der man die Bildfehler einiger L-Objektive rausrechnen lassen kann. Das Bild wird etwas beschnitten, aber es sieht dann wirklich gut aus. Vignettierung weg, Wölbung weg, Farbsäume weg, drei Klicks. Super! Die Bildqualität ist aber auch bei diesen teuren L-Zoom-Objektiven beschränkt, besonders bei offener Blende. Aber ich will mich nicht beschweren, sie sind sehr praktisch.

Zur Lichtstärke: Ich weiss, ein 2,8er kostet mindestens das Doppelte von einem 1:4-Objektiv, aber wenn’s um die Wurst geht – und das geht es oft – kommt es eben darauf an, dass unter den bescheidenen Bedingungen noch ein brauchbares Bild entsteht. Und da ist jedes Quäntchen Licht, das den Chip erreicht, ein Segen. Der Sucher ist auch heller, und der Autofokus arbeitet ebenfalls besser. Na ja, der Autofokus arbeitet eigentlich immer bescheiden. Die alte Canon-Krankheit. Chronisch. Schlechtes Thema.

Also, wenn du es irgendwie finanzieren kannst, kaufe Dir ein lichtstarkes Objektiv. Und wenn Du es nicht finanzieren kannst, dann kaufe Dir ein noch Lichtstärkeres! Festbrennweiten sind preiswert. Ein 1:2,8 28er kostet bei Ebay 130 Euro, ein 1:1,8 50er neu 100 Euro (!). Und das Objektiv, mit dem ich 70% meiner Aufnahmen mache, das 1:1,8 85er, kostet gebraucht ab 300 Euro. Das sind zwar keine L-Objektive, aber die Qualität ist gut und kann durchaus mit einem L-Zoom mithalten. L-Festbrennweiten sind mir für das Plus an Leistung zu teuer und zu schwer. Das Gewicht spielt keine unerhebliche Rolle beim Fotografieren. Nach einem ganzen Tag Reportage tut einem wirklich alles weh, da ist jedes Gramm weniger ein Segen.

Exkurs: Die Ausrüstung kann für so eine Reportage folgendermaßen aussehen: 5D MK II mit Handgriff, 16-35er, Systemblitz 550 EZ oder 580 EZ mit CP-E4 Kompromiss-Batteriepack und Eneloop-Akkus drin, Bauchtasche mit Ersatzakkus für Kamera und Blitz, viele Speicherkarten, das 50er Makro und das 85er – das wars. Cartier-Bresson hat gesagt, wenn das Bild nicht gut ist, warst Du nicht nahe genug dran. Oder war das Cappa? Egal, es stimmt. Entweder emotional nicht nahe genug dran, oder physisch. Emotional, da kann ich Dir nicht helfen, aber physisch: Lass das 200er zuhause. Apropos Speicherkarten, meine haben maximal 8GB. Damit fotografiere ich ca. 270 RAWs, das ist mehr als genug. Wenn ich mir vorstelle, auf einer 128 GB Karte, die lächerliche 1000 Euro kostet, über 4000 Fotos zu schiessen (was vorkommen kann), und die geht dann abends kaputt, was mir schon mehrfach vorgekommen ist. Die Daten ließen sich manchmal retten, zweimal aber auch nicht. Dann beiß‘ ich mir in den Hintern.

Zurück zum Thema. Also, ich appelliere: Bitte Festbrennweiten kaufen. Sie sind leicht, hochwertig und preiswert, und sie schulen das Sehen. Du musst Dir dann vorher überlegen was Du draufschraubst, und das macht Dich nach einiger Zeit zu einem Fotografen mit einem besseren Auge fürs Motiv. Versprochen.

So, auf die eierlegenden Wollmilchsäue, 28-300irgendwas Millimeter, gehe ich nicht weiter ein. Das taugt vielleicht für den Urlaub, weil man alles dabei hat. Aber bei Lichtstärke 6,3 oder so ist es bei mir nur noch dunkel im Sucher. Bitte auf Ebay verkaufen.

Zusammengefasst: Ich habe ein 16-35er, ein 24-70er und ein 70-200er IS, alles 2,8. Das Zonk-24-105er 1:4 verdient den roten Ring nicht und hat höchstens Blende 4,5. Mit Rückenwind. Dann ein 28er 1,8, ein 50er 1,4, und das 85er 1,8. Mit diesen Drei würde ich auch auf eine einsame Insel gehen. Und dann noch ein 50er Makro plus Zwischenring. Alles andere (Tilt-Shift, Fisheye, Supertele) leihe ich mir bei Bedarf im Rent aus. Das kostet ca. 20 Euro/Tag. Da lohnt eine Anschaffung nicht, wenn man es nicht oft braucht.

Für Nutzer anderer Systeme gilt das gleiche. Auch Fremdobjektive finde ich ok. Ich kenne Fotografen, die Sigma, Tamron, Tokina und Co benutzen und viel Geld sparen. Bitte probier so ein Objektiv aber vorher aus. Wenn es Lichtstärke 1:4,5-5,6, ein Plastikbajonett  und einen Autofokus hat, der sich im Schneckentempo dreht, wirst Du keine Freude haben.

Eins hab‘ ich noch. Hallo Canon: Bitte baut mir mein Lieblingsobjektiv, ein EF 24/50/85mm, f1:2, IS L. Vielleicht aus Carbon, damit es nicht so schwer wird. Wenn’s geht keinen Zoom, sondern nur die drei Brennweiten zum Umschalten. Danke schon mal im Voraus.

Das Herzstück – die Kamera

Ich fotografiere mit zwei Canon EOS 5D MK II Kameras mit zusätzlichem Handgriff. Ich finde die Kameras sind „relativ preiswert“ und liefern meiner Meinung nach bei hohen ISO-Werten sogar bessere Bilder als die 3x so teure 1Ds MKIII. Apropos ISO-Werte: Meine Kamera steht fast immer auf ISO 800. Ja, echt! Mich hat das Rauschen noch nie gestört – im Gegenteil. Und A3-Doppelseiten sind locker drin. Ok, ich mach‘ kein Still Life und wirklich selten Plakate, aber – lieber Fotofreund: Probier’s mal aus und bewerte Deine Bilder nicht bei maximaler Vergrößerung am Bildschirm, sondern auf einem A4-Print aus dem Labor.

Ja, die Kameraeinstellungen, dass ist ein wichtiges Thema, bei dem ich gleich zu Anfang mal ein wenig ausschweifen möchte: Ich komme ja aus den Zeiten in denen es noch keine Digitalkameras gab, sprich wir haben auf Film fotografiert. Und da gab es eine ganz klare Regel: Wenn Du Portraits fotografierst nimm den „EPP“ belichte ihn knapp und push ihn eine Blende. Wer kennt den noch? Kodak Ektachrome Professional Plus. Ja? Bist wohl auch schon nicht mehr der jüngste, was? Also, der Film spielte eine wichtige Rolle bei der guten Wiedergabe von Hauttönen. Er war ein Gestaltungsmittel! Und so ähnlich ist das auch in digitalen Zeiten geblieben. Aber alle Chips sind doch gleich schlimm bunt! Ja, genau. Die Industrie hat sich aber an das erinnert, was ein Foto vom anderen unterscheidet und es sozusagen übertragen: Bei Canon heißt das „Picturestyles“ Die kommen einem aufstrebenden Fotografen erst einmal sehr amateurhaft vor, sind es aber gar nicht. Na ja, der Standard-Style der 5D MK II ist schon arg amateurhaft: Für mich zu bunt, zu scharf, zu kontrastreich. Wirklich nicht so toll, aber es ist halt eine Prosumer-Kamera. Nichtsdestotrotz, kann die 5D genauso schön farblich weiche und kontrastarme Bilder machen wie die Profischwestern und zwar im Picturestyle „neutral“! Wieso das gut ist? Na, probier mal einem überschärften, kontrastreichen und knallbunten Bild einen zarten und weichen Hautton zu  verpassen. Vergiss es. Aber umgekehrt – kein Problem. In Photoshop einem Bild mehr Schärfe, Kontrast und Sättigung zu geben ist ein Kinderspiel. Dazu später mehr. Zurück zu den Styles. Ich verwende fast ausschliesslich „neutral“, da meine Fotos alle ausschliesslich im RAW-Format fotografiert, im Canon eigenen DPP (Digital Photo Professional) -Programm entwickelt und schliesslich in Photoshop bearbeitet werden. Viele Fotografen schwören ja auf Capture One. Ich komme mit DPP gut zurecht. Und, lieber Fotofreund, es kostet nichts! Wenn Du nicht so auf Bildbearbeitung stehst, probier mal diese „Styles“ aus. Man kann sie selber in der Kamera verändern oder welche aus dem Internet herunterladen. Du hast auf einmal wieder die ganze Welt der Filme von zart bis hart in der Tasche.

So, weiter mit dem Basis-Equipment: Meine Kamera ist klar, was sollst Du für eine nehmen? Auf jeden Fall eine mit der Möglichkeit Zeit und Blende manuell einzustellen. Das ist erst mal der für mich entscheidende Punkt. Ob da Canon, Nikon oder Sony draufsteht, spielt nicht so eine grosse Rolle. Ein Markenprodukt sollte es aber schon sein. Denn nichts ist billiger als Qualität. (Hat meine Oma schon gesagt. Danke Oma!). Warum „M“ wie Manuell so wichtig ist? Weil Du lernen musst, wie die Kamera funktioniert. Weil Du lernen musst, was passiert, wenn Du die Belichtungszeit veränderst oder an der Blende drehst, denn das sind Deine Möglichkeiten, das Bild in seinem Ergebnis zu verändern. Wenn Du also die Kontrolle nicht selbst in die Hand nimmst, wir es nichts werden mit DEINEN Fotos da bin ich mir sicher. Es bleiben Zufallstreffer.

Dann wäre da die Grösse des Chips. Für mich was das lange Zeit der Grund nicht auf die digitale Technik umzusteigen. In Film-Zeiten (das war bei mir bis 2005) gab es noch sowas wie Tiefen(un)schärfe. Sprich der Hintergrund war – wenn man wollte – unscharf und das war ein sehr wichtiges Mittel der Gestaltung eines Bildes. Besonders, wenn man wie ich Portraits fotografiert. Es ist einfach nicht so schön wenn einem Kopf die Bäume im Hintergrund aus den Ohren wachsen.

So und nun kam die schöne bunte Digi-Welt mit Aufnahmechips in Fingernagelgrösse. Da ist von Tiefenschärfe nicht mehr die Rede, denn Physikalisch hängt die Tiefenschärfe von der Größe des Aufnahmeformates sprich der Chipgrösse ab. In analogen Zeiten haben wir unter Fotografen vom Schärfeabriss gesprochen. Schau Dir mal eine Aufnahme mit einer Grossformatkamera an. Sagen wir 4×5″, 150mm offene Blende 4 oder so. Ein Halbportrait so bis zum Nabel. Das ist wirklich was anderes, hintenrum. Und Du bekommst das mit keiner anderen Kamera oder Software so hin.

Also rate ich Dir: Kauf was mit ’nem grossen Chip! Gebrauchte 5D’s (1. Generation) sind deutlich unter 1000 Euro zu bekommen. Zu teuer? Tja. Dann einfach mit rauchen aufhören oder weniger Geld in Urlaub investieren. Den kannst Du dann machen, wenn Du gross raus gekommen bist. Mit Deiner geilen Kamera.

So. Die Kamera ist geklärt. Jetzt bauchen wir nur noch ein Objektiv und dann kann’s losgehen. Zum Thema Objektive werde ich an anderer Stelle noch was schreiben, Dir hier aber erst mal einen Minimal-Tipp geben. Vergiss das Superzoom. Bitte! Kauf Dir eine Festbrennweite, das lehrt Dich das sehen. Für einen Vollformat-Chip wäre das zum Beispiel ein 50mm Objektiv, sprich eine Normalbrennweite. (Was’n das?) Das kostet 100 Euro und damit kann man noch fotografieren, wenn die Anderen nach Hause gehen, weil’s zu dunkel ist.

So und jetzt raus mit Dir. Der/Die Freund(in) hat sich hübsch gemacht, die Blumen blühen und der Tiger im Zoo hat sich für Dich seinen schönsten Pelz angezogen. Also bitte: Knipsen, knipsen, knipsen. Und immer schön die Bedienungsanleitung lesen, denn Kunst kommt von können wie man so schön sagt.