Die Technik im Griff haben

Heute war ich bei Freunden Kaffeetrinken und hatte einen netten Fotoplausch. Und wir kamen darauf, wie wichtig denn die Technik und das handwerkliche Können sei – so als Fotograf… tja: Also ich versuchs mal so zu erkären:
a) stell dir vor, du bist auf einer schönen Blumenwiese und die Sonne scheint. Und du hast eine tolle Kamera. Mit super Macro-Objektiv. Und alle Zeit der Welt… Das wird bestimmt ein klasse Foto. So ist kein Job. Nie!
b) Es ist 3 Grad Plus und es nieselt. Es wird langsam dunkel und dein Kunde, den du fotografieren sollst, (sagen wir mal, der Vorstand eines Unternehmens) ist 2 Stunden überfällig. Als er dann kommt, offeriert er dir, dass er maximal 3 Minuten Zeit habe null fotogen sei und grundsätzlich auf Fotos nicht lache. Außerdem sollst Du das Foto jetzt hier sofort machen. Die 200 Meter zur vorbereiteten, ausgeleuchteten Location (wo der Assi und die Makeup-Frau warten) gingen gar nicht. Das sei alles so mit der Agentur nicht abgesprochen und er könne ansonsten auch sofort wieder gehen.

Ok, ich will an dieser Stelle diese hässliche Geschichte unterbrechen…

Ich erkläre es mal anders:

Wie lange fährst Du schon Auto? Und wie lange hat es gedauert, bis Du das Gefühl hattest auch in brenzligen Situationen nicht aus der Ruhe zu kommen?

Es ist sehr hilfreich, sich wirklich im Schlaf mit seiner Ausrüstung und allem möglichen und unmöglichen auszukennen. Sehr! Außer, man fotografiert Blümchenwiesen…

😉

Zeit sparen bei der Bildauswahl

Es ist ganz einfach – ich mach es kurz. Ihr braucht die Zeit, ich weiss.

1. Ein gutes Sichtungs-Programm ist die Basis. Ich benutze MediaPro von PhaseOne.

2. Alte Maus mit Rollrad. Kein Witz! Ein Rad-Klick = nächste Reihe.

3. Nur ausgeschlafen drangehen. Maximal 1 Stunde dran arbeiten. Dann was anderes machen, oder ’ne Pause einlegen. Wenn die Konzentration nachlässt sofort aufhören.

4. Nicht nachdenken, je schneller die Entscheidung kommt, desto besser. Mut haben, und ausprobieren, es klappt!

5. Sternchen mit der Tastatur vergeben. Das geht schneller. Nur das Bild anklicken, Apfel-Irgendwas, weiterrollen (siehe 2.).

6. Erst eine grobe Auswahl erstellen. Dann von dieser Auswahl eine Feinere machen – und so weiter.

7. Von hinten nach vorne arbeiten! Zum Schluss kommen die besten Bilder, wenn man die zuerst sieht und markiert, kann man sich vieles vom gequälten Anfang sparen zu markieren. Ausnahmen bestätigen die Regel.

8. Nicht auf die Schärfe achten. Ausser sie ist wirklich sehr daneben. Wenn Ihr erst alle Bilder nach der Schärfe auswählt, braucht Ihr 4x so lange. Wenn ein Bild in Frage kommt und die Schärfe nicht sitzt nach einem Alternativbild davor oder danach suchen.

9. Nichts löschen. Löschen kostet Zeit und bringt nichts.

Damit krieg ich ein Tages-People-Shooting mit 3000 Bildern in 2-3 Stunden über die Bühne und geh‘ dann mit meiner Zeit unterm Arm ins Schwimmbad.

🙂

Super-Gemein: Gruppenaufnahmen lass ich den Assi machen.

Kollegen

Kollegen hat wohl jeder. Und jeder kennt welche, mit denen er besser auskommt und welche, mit denen es nicht so prickelnd läuft.
Auch unter Fotografen ist das so. Aber leider sind wir nicht nur Kollegen, sondern auch Konkurrenten. Das macht es schon schwieriger. Und leider ist der Kuchen klein, von dem jeder was abhaben will. So ergibt es sich dann, dass viele gerne ihr eigenes Süppchen kochen und versuchen, sich nicht von den Anderen in den Topf gucken zu lassen. Angst beherrscht diese Szenerie. Angst davor, dass mir jemand meinen Ideen klaut, das mir jemand meinen Stil kopiert, und vor allem, dass mir jemand meine Kunden wegschnappt.
Und dann trifft man sich auf irgendeiner Veranstaltung, wo jeder hofft, irgendwelche Internas aufzuschnappen und unterhält sich halt. Man muss ja einen guten Eindruck machen:

Hallo, wie geht’s? – Mensch suuuuuper, Du.

Und die Geschäfte? – Ach klasse, läuft echt prima. Ich bin da mit ’nem guten Kunden an ’nem großen Projekt dran. Das wird ganz was Neues, ein ganz anderer Stil, weisst Du…

Ein paar Tage später treffe ich dann einen Assistenten, den ich für einen Job gebucht habe. Den frage ich dann, was er so für andere Fotografen gearbeitet hat. Er erzählt mir auch vom Kollegen, den ich getroffen habe. Von dem hört er in letzter Zeit weniger, ausser, dass er Ihm die offenen Rechnungen nicht zahlen kann. Hm, hört sich ganz anders an, als das was ich gehört habe.

Tja, ich will ja keinem zu nahe treten und es geht mich ja auch nichts an, was wer wann wie wo treibt, aber wenn wir Foto-Kollegen mal ein wenig angstfreier auf uns zugehen würden, dann hätten wir es echt leichter im Leben.

Ich habe es selbst erlebt: Letztes Jahr habe ich einen grossen Kunden verloren. Und es war eine ganze Zeit nicht so einfach, diese Lücke zu schliessen. Aber jedes mal, wenn ich einem Kollegen, oder auch Kunden und in Agenturen von meinen Problem erzählte, bekam ich so offen aus deren Arbeit berichtet, wie sonst nicht. Ich hatte das Gefühl, dass alle froh sind, dass da jemand ist, dem es wie ihnen geht – nämlich mal gut und auch mal nicht so top – und dem sie endlich auch mal von ihren Problemen erzählen konnten – ohne gleich befürchten zu müssen, dass ich dieses Wissen ausnutze um Ihnen damit zu schaden. Es waren oft tolle Gespräche, die sich daraus entwickelt haben. Mal über den Job, mal über ganz andere Dinge. Auf jeden Fall hat sich dadurch auch hier und da eine intensivere Zusammenarbeit entwickelt. Fotografie ist eben Vertrauenssache. Insofern zahlt sich – so finde ich – Offenheit doppelt aus.

In diesem Sinne!

 

Laptop-Turbo!

Seit dem Einzug der digitalen Fotografie hat man ja bei fast allen Shootings ein Laptop dabei. Die Daten müssen einfach weggespeichert werden und der Artdirector will auch was zum gucken haben. Daher habe ich auch im Büro auf was tragbares umgestellt um ein zweites Gerät als Ersatz zu haben. Leider sind Laptops stationären Rechnern leistungsmässig deutlich unterlegen und man brauchte bei umfangreicheren Arbeiten in Photoshop schon etwas Geduld. Bis jetzt!

Ich habe letzte Woche in mein 2010er MacBook Pro eine SSD einbauen lassen und es ist sagenhaft, wie schnell die Maschine jetzt läuft.

Im Detail: Die interne HD kam raus und an deren Stelle wurde eine 256 GB SSD (Samsung 830) eingebaut. Um mehr Speicherplatz zu haben kam zusätzlich ein Adapter von Hardwrk in den DVD-Schacht. Dort spielt jetzt eine 750GB HD. Der DVD-Brenner kam in ein externes Gehäuse. Die Kosten: SSD 215,– / Hardwrk-Adapter incl. DVD-Gehäuse 80,- / 750 GB HD 100,– / Einbau: 90,– . Zusammen also 485,– Euro. incl. Steuer.

Die neue Performanz: Start Photoshop CS5: ca 2,5 sec. Öffen einer 650MB PSD-Datei: so ca. 3 sec. Ich bin begeistert! Und erstaunt was mein alter Rechner drauf hat, wenn ihn nicht eine lahme Festplatte ausbremst.

Wer also viel Geld für einen neuen Rechner sparen will. Die SSD-Preise sind mittlerweile ertragbar wie ich finde…

 

Hierzu noch ein Kommentar von Christoph:

Hallo Bernd,
„Ein weiter Effekt von SSDs: Sie verbrauchen weit aus weniger Strom als eine mechanische Festplatte, ergo wirkt sich eine SSD auch auf die Akkulaufzeit positiv aus. Aber vorsicht vor zu billigen SSDs. Dort halten die Chips nicht lange und es kann dann sein das der Rechner plötzlich wieder viel viel langsamerer wird und schon nach nem Jahr die SSD keine Daten mehr speichern kann und damit Schrottreif ist 🙁
(Kann aber Samsung hier auch nur empfehlen, haben die hier im Büro und selbst zuhause im Einsatz, klar es gibt billigere, aber die sind eben nicht ohne grund Billig).“

Photoshop – wieviel Retusche ist erlaubt?

Seit ungefähr 15 Jahren ist die Bildbearbeitungssoftware Photoshop jedem ein Begriff. Und seit dem ist ja auch jedem total klar wie einfach das geht Fotos zu manipulieren und dass heute ja quasi alle Bilder gefaket sind. Stimmt genau.
Und dass früher alles besser war und authentischer und ungefälschter und schöner sowieso. Und überhaupt ist der Fotografie ja mittlerweile jegliche Objektivität abhanden gekommen. Stöhn!

Hier kommt was ich darüber denke: Fotografie hat mit Objektivität nichts zu tun. Auch wenn das Ding da vorne an der Kamera dran so ähnlich heißt. In dem Moment, wo ich einen Ausschnitt aus dem realen Geschehen wähle, (und das tue ich zwangsläufig bei jeder Aufnahme) wende ich mich – ganz subjektiv – dem zu was ich für wichtig erachte. Es ist also immer eine sehr persönliche Sicht der Dinge, so ein Foto. Mir stehen als Fotograf viele Parameter offen das Bild so zu verändern, dass es den mir wichtigen Inhalt dem Betrachter möglichst nahe bringt. Eines der Wichtigsten: Reduktion. Ich schneide ab, lasse in Licht oder Dunkelheit verschwinden, blende durch Unschärfe aus. Halte an! Da bleibt nicht mehr viel vom eigentlichen Geschehen übrig, das sich zum Zeitpunkt der Aufnahme vor mir abgespielt hat. Und genau das macht die Fotografie aus. Konzentration auf einen Punkt. Fokussierung. Einen Aspekt herausgreifen und so schick aufbereiten, dass es Spaß macht, sich damit zu beschäftigen. Wieso sollte ich mir dann Gedanken darüber machen, ob eine Photoshop-Retusche legitim ist, oder nicht?

Wenn ich die Geschichte bemühe, dann ist Retusche keine Erfindung des Computerzeitalters: Lenin (der, der die Sowjetunion erfunden hat) hatte einen Kollegen: Trotzki. Der fiel etwas später bei Stalin in Ungnade und wurde – wie man heute so schön sagt – von dem „gedisst“. Stalin ließ Trotzki unter anderem aus allen Fotografien herausretuschieren. So perfekt, das hätte man mit Photoshop CS5 auch nicht besser hingekriegt. Das war 1925. Insofern ist Retusche nichts wirklich neues in unserer Branche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man beachte die Herren auf der Treppe.

Ich finde natürlich auch, dass es moralische Grenzen gibt.  Fotos zu solchen zwecken zu retuschieren ist absolut inakzeptabel. Aber wenn es niemandem weh tut, so what? Also – hier kommt mein Outing, für alle die es noch nicht wussten: Meine Fotos sind alle retuschiert. Ich entferne Pickel, Rasurverletzungen, Augenringe und auch mal einen schiefen Zahn. Aber alles in allem versuche ich nur, das Bild dem Eindruck näher zu bringen, den ich von der Person vor meiner Kamera hatte. Da fällt einem im Gespräch und in der Bewegung vieles nicht auf, was man in einer 21-Megapixel-Datei kaum übersehen kann. Und dann wird es eben auf das Level gebracht, dass ich gesehen habe…

Was sich allerdings die Leute von TV-Spielfilm und Co. bei der Retusche ihrer Titelseiten denken, bleibt meinem Verständnis völlig verborgen. „Hey, das sieht total tot aus! Merkt Ihr das nicht?“

Ach ja, eins noch: Auch eine gut gemeinte Retusche kann mächtig in die Hose gehen:

 

 

 

 

 

 

Dieser nette Herr heisst Klaus Kleinfeld und war mal der Vorstandsvorsitzende von Siemens. Wahrscheinlich dachte einer seiner Leute, dass es nicht gut aussieht, so eine schon etwas protzige Rolex am Arm zu tragen. Finde ich auch. Und schwupp war sie weg.  Leider kamen beiden Fotos in Umlauf. Und das war natürlich ein gefundenes Fressen für die Presse…

Also immer schön aufpassen beim retuschieren. Oder gleich mutig sein und Herrn Kleinfeld beim Shooting sagen, dass das nicht so toll aussieht. 🙂